Schmerzerleben und mentale Techniken

Nicht nur im Kung Fu Kontext (Block- u. Abhärtetechniken, versehentliche Treffer) sondern auch im normalen Alltag kann es sehr nützlich sein schmerzreduzierende mentale Techniken zu beherrschen.

Das Schmerzerleben ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Diese Unterschiede sind
(A) zum Teil biologisch (physisch) begründet und
(B) zum Teil aber auch durch mentale (psychologische) Prozesse begründet.

Durch dauerhaftes körperliches Training (allgemeines Training & spezielle Abhärtungsübungen) wird die physiologische Schmerzschwelle (A) verändert (Schmerzen werden erst bei höherer Intensität wahrgenommen). Die Schmerzschwelle (Intensität ab der ein Reiz als Schmerz wahrgenommen wird) kann durch mentale Techniken (Kognitionen = Gedanken, Imagination = das Vorstellen von Bildern) verändert werden (B). Diese Techniken haben nichts esoterisches an sich, sondern werden in Kliniken und in der Schmerztherapie genutzt.

Einige diese Techniken möchte ich nun vorstellen:

Mentale Techniken

Für alle Techniken gilt:

  1. Versuche Dich zu entspannen. Einerseits ist jede Form von Entspannung schmerzlindernd, andererseits erleichtert Entspannung die Imagination.
  2. Je stärker, plastischer, konkreter die bildliche Vorstellung ist, desto stärker ist der Effekt. In dieser Situation sollte man wirklich daran glauben und die Effekte vor seinem geistigen Auge sehen können. Es handelt sich hier um Selbstsuggestion, bzw. um die ersten Aspekte der Selbsthypnose.

Parästhesien

Schmerzreize werden hier in neutrale oder positive Reize verändert.

Stell Dir vor:

Die schmerzende Stelle ist nur ein heller Fleck. Du fühlst keinen Schmerz da ein heller Fleck nun mal keinen Schmerz verursacht.

Die schmerzende Stelle ist eine wunderschöne Blume. Eine Blume die langsam aufblüht. Je weiter sich die Blüte öffnet, desto geringer wird der Schmerz. Bis zu dem Zeitpunkt, zu dem die Blume vollständig aufblüht und Du keinen Schmerz mehr verspürst.

Substitution

Ähnlich wie die Parästhesien, aber Schmerzreize werden hier nicht in neutrale oder positive Reize verändert, sondern in unangenehme aber nicht schmerzhafte Reize verändert (z. B. Schmerz in jucken oder drücken).

Stell Dir vor:

Die schmerzende Stelle ist nur ein Mückenstich. Diese juckt sehr stark, aber wenn du nicht kratzt wird der Juckreiz in einer Stunde nicht mehr da sein.

Symptomverschiebung

Die Schmerzen werden in voller Stärke, Stück für Stück, von einem Punkt zu einem anderen Punkt verschoben.

Stell Dir vor:

Du kannst die schmerzende Stelle um 1 cm verschieben. Wenn Dir dies gelungen ist, verschiebe die schmerzende Stelle um noch 1 cm ... usw.

Die Schmerzen werden an einem Punkt schwächer und tauchen an einem anderen Punkt wieder auf.

Stell Dir vor:

Die schmerzende Stelle am linken Arm verschwindet und taucht am rechten Arm wieder auf.

Später werden die Schmerzen an einen Punkt verschoben der außerhalb des Körpers liegt und der Körper wird schmerzleer.

Stell Dir vor:

Du kannst die schmerzende Stelle verschieben. Wenn Dir Dies gelungen ist, verschiebe die schmerzende Stelle langsam (die Beine hinunter) in die Erde hinein.

Dissozation

Der Patient wird zu einem Abspaltungsprozess aufgefordert. Die Schmerzen werden vom Körper abgestoßen. Dies ist besonders gut möglich bei Schmerzen, die sich an den Extremitäten befinden.

Stell Dir vor:

Der Schmerz sitzt an einer Stelle auf Deinem Arm. Du kannst diesen Schmerz einfach abstreifen, als wäre es Sand.

Der Schmerz ist ein Nagel den Du aus Deinem Arm herausziehen kannst.

Stell Dir vor: Du bist eine Statue aus massivem Marmor und der Schmerz prallt einfach von Dir ab.

Neuinterpretation

Der Schmerz soll anders erlebt werden, nicht als bedrohendes Ereignis, sondern als metaphorisches naturhaftes Geschehen. Das Ergebnis kann ein „weißer Schmerz“ sein, ein bloßes physiologisches Erleben ohne subjektive Beteiligung. Oder der Schmerz wird z. B. als Brandung erlebt.

Stell Dir vor:

Der Schmerz ist die Brandung, die Wellen die sich langsam am Strand auslaufen. Du spürst den Schmerz, er ist weiterhin da, aber er stört dich nicht, da Du dich an den Schmerz (die Brandung) gewöhnst und bald vergisst.

Förderung der Heilung

Durch die Vorstellung Energien in seinem Körper zu bündeln und aktiv zum Ort des Schmerzes/Verletzung zu leiten kann die Heilung gefördert werden und die (Heilungs-) Zeit als angenehmer erlebt werden.

Stell Dir vor:

In Deinem Körper sammelst du sehr viel Energie. z. B. weißes Licht das Deinen Körper durchströmt. Stelle Dir genau die Wege vor die dieses Licht durch Deinen Körper nimmt. Stelle Dir nun vor, wie Du Stück für Stück dieses weiße Licht umleitest, so lange bis alle Wege zum Ort des Schmerzes/Verletzung führen. Nun Stell Dir vor, wie diese massive konzentrierte Energie in Dir aktiv die Heilung fördert.

Welche Technik ist die Beste?

Welche der Techniken einem Menschen am besten hilft, hängt vom Schmerz, vom Kontext und natürlich vom Menschen selbst ab. Generell wirken alle Techniken stärker wenn die betreffende Person sich (teilweise) entspannen kann.

In anderen Kulturen wird dem Schmerz eine völlig andere Rolle zugeschrieben. So kennt wahrscheinlich jeder die Bilder von Fakiren, die sich diverse spitze Gegenstände durch die unterschiedlichsten Teile ihres Körpers schieben oder sich an einer Art Fleischerhaken aufhängen lassen. Zu bestimmten Festen in Indien begeben sich die (normalen) Menschen in Trance und eifern den Fakiren nach. Diese Trance kann man ebenfalls als mentale Technik bezeichnen.