Definition: (Die) Man|tis - Gattung der Fangheuschrecken,
darunter die so genannte Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

Gottesanbeterinnen / Mantis sind geflügelte Insekten, die in warm-gemäßigten und tropischen Regionen der ganzen Welt verbreitet sind. Weltweit gibt es etwa 2300 Arten. Die Vielfalt ihrer Maskeraden scheint grenzenlos. Die europäische Gottesanbeterin kommt an klimatisch günstigen Stellen wie dem Kaiserstuhl auch in Deutschland vor.

Die so genannten Fangschrecken sind bekannt für ihre typische Körperhaltung: Sie sitzen auf ihren Hintergliedmaßen und halten ihr kräftiges vorderes Extremitätenpaar in einer Stellung, die an beten erinnert; daher der Name Gottesanbeterin.

Vorderbeine wie Klappmesser

Ihr Leben verbringen sie bevorzugt in Büschen und auf Bäumen, wobei sie abgefallenes Laub in vielen Varianten imitieren können. Sitzend oder hängend verschmelzen sie bis zur völligen Unsichtbarkeit mit dem Urwaldboden. Ihre ausgezeichnete Tarnung macht sie nicht nur zu gefährlichen Jägern, sondern schützt sie gleichzeitig vor Fressfeinden. Alle Gottesanbeterinnen der Welt haben ein Merkmal gemeinsam: Ihre furchterregenden Jagdwaffen. Die Vorderbeine arbeiten wie scharf gezahnte Klappmesser. Wenn diese kraftvollen, dornenbesetzten Fänge binnen Sekundenbruchteilen zupacken, gibt es kein Entrinnen. Dass ein kleineres Tier einem größeren als Nahrung dient, ist in der Natur nichts Außergewöhnliches. Dass aber große Fangschrecken nicht nur Insekten, sondern auch Wirbeltiere erbeuten, ist erstaunlich. In Südamerika fangen Gottesanbeterinnen sogar Kolibris, und in den Savannen Afrikas gehen sie auf Mäusejagd.

Häutung mit Nervenkitzel

Doch auch Fangschrecken haben Feinde - sogar von Artgenossen werden sie mitunter attackiert. Eine südostasiatische Spezies vermeidet solche Attacken mit einer Art Gebärdensprache. Boxer-Fangschrecken präsentieren abwechselnd die farbigen Innenseiten ihrer Fangbeine, was so viel bedeutet wie: Nicht fressen, ich bin ein Artgenosse. Die Bewegungen erinnern an chinesische Schattenboxer, daher der Name. Jungtiere müssen sich besonders vor den erwachsenen Tieren in Acht nehmen, denn sie häuten sich regelmäßig, um zu wachsen. Während dieser Prozedur sind sie ihren Feinden schutzlos ausgeliefert. Der neue Panzer, der anfangs noch weich und verletzlich ist, muss in absoluter Reglosigkeit aushärten.

Verehrung schon zu Ramses Zeiten

In der Mythologie hat sie mit ihren auffälligen Verhaltensweisen schon in frühester Zeit die Menschen beeindruckt und Anlass zu den verschiedensten Fabeln gegeben. Ihr wissenschaftlicher Name "Mantis", heißt so viel wie Prophet, Wahrsager oder der Göttliche bedeutet. Auch die alten Ägypter waren von der seltsam anmutenden Gottesanbeterin beeindruckt. Sogar im legendären Totenbuch der Ägypter wird sie erwähnt. Ein Bildnis fand man im Grab des berühmten Pharao Ramses des Zweiten, der Ägypten vor mehr als 3000 Jahren regierte. Im Jahr 1929 fand man einen kleinen Sarg aus gebranntem Nilschlamm mit einer mumifizierten Gottesanbeterin in Theben.

Auch die Römer hat dieses Insekt nachhaltig beeindruckt. Vor 2700 Jahren wurde in Süditalien eine Silbermünze mit der Darstellung einer Gottesanbeterin geprägt. In dieser Region hält sich bis heute hartnäckig die Vorstellung, dass Gottesanbeterinnen Haustieren gefährlich werden, insbesondere Hühnern. Ihr volkstümlicher Name ist "Hennenwürger". Die Bauern sind überzeugt, dass die dornenbewehrten Fangbeine der Gottesanbeterin den Hals einen Huhns aufschlitzen können. Doch wie so oft liegen hier Wahrheit und Aberglaube weit auseinander.

Die unglaubliche Formenvielfalt der Gottesanbeterinnen faszinierte Künstler und Wissenschaftler schon vor 300 Jahren. Sie zeichneten und malten die filigranen und pittoresken Leiber unterschiedlichster Fangschrecken. Die ältesten Präparate von Gottesanbeterinnen sind 150 Jahre alt.

In der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts das "Kaiserliche Naturalienkabinett" von den Habsburgern gegründet. Die zoologische Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien bewahrt mehr als vierzehntausend Präparate von Gottesanbeterinnen aus allen Erdteilen sind hier auf.

Aussehen

Der Körper der Gottesanbeterin ist 5 bis 7,5 Zentimeter lang und dünn. Am Hinterleib hat sie vier dünne Beine, mit denen sie sich fortbewegt. Die zwei Vorderbeine sind kräftiger und dienen als Fangbeine. Sie sind oft zusammengefaltet. An ihrem dreieckigen Kopf fallen sofort die großen Facettenaugen auf, die seitlich am Kopf sitzen. Damit hat sie einen guten Überblick. Zudem kann sie ihren Kopf sehr gut drehen und so ihre Beute mit den Augen verfolgen. Die Weibchen werden größer und dicker als die Männchen. Beide haben als Erwachsene lange Flügel. Die Weibchen fliegen damit aber nicht mehr. Die Männchen tun es sehr selten und fliegen dann nur ganz kurze Strecken. Bei den Männchen ragen die Flügel über den Hinterleib hinaus, bei den Weibchen nicht.

Rassen und Arten

Systematische Einordnung: Fangschrecken bilden die Ordnung Mantodea. Die Gottesanbeterin heißt wissenschaftlich Mantis religiosa.

Sie teilen sich in 8 Familien mit insgesamt rund 2150 Arten auf. Damit bilden sie unter den Insekten, die fast eine Million Arten umfassen, nur eine sehr kleine Gruppe. Die nächsten Verwandten der Fangschrecken sind die Schaben und Termiten. Mit ihnen zusammen bilden sie die Überordnung der Schabenähnlichen (Blattoidea).

Lebenserwartung

Die Gottesanbeterin lebt nur ein Jahr. Die Larven, die auch Nymphen heißen, schlüpfen im Frühjahr. Die erwachsenen Tiere, die Imagines genannt werden, sterben im Spätjahr, wenn die kalte Jahreszeit beginnt.

Alltag

Gottesanbeterinnen fliegen nicht gerne und bewegen sich meistens auch sehr langsam. Deshalb sitzen sie oft tagelang auf der selben Pflanze, manchmal sogar immer auf dem selben Zweig. Dort beobachten sie ihre Umgebung und warten auf Beute. Denn Fangschrecken sehen sehr gut.

Nachwuchs

Die Paarung kann bei den Gottesanbeterinnen vom Sommer bis in den späten Herbst stattfinden. Zur Paarung schleicht sich das Männchen von hinten an das Weibchen heran. Dann springt es auf das Weibchen und hält es an den Flügeln fest. Die Paarung dauert etwa zwei Stunden. Danach fressen die Weibchen ihre Partner häufig auf.

Später legen die Weibchen 100 bis 300 Eier in Behältern ab, die auch Kokons oder Ootheken genannt werden. Diese Behälter sind etwa 2,5 Zentimeter lang und 1,5 Zentimeter breit. Sie sehen aus wie kleine Pilze und werden oft an Blättern oder Halmen abgelegt. Die Behälter schützen die Eier vor dem Austrocknen und vor kalten Temperaturen, denn die Eier müssen in den Kokons überwintern.

Bis die Larven im Frühjahr schlüpfen, dauert es also mindestens zwei Monate. Gleich nach dem Schlüpfen häuten sie sich zum ersten Mal. Die jungen Larven sehen aus wie kleine Ausgaben der erwachsenen Tiere. Sie bewegen sich sehr flink und gehen auch schon auf Beutefang wie ihre Eltern. Nach sechs bis sieben Häutungen  sind die Tiere erwachsen. Etwa zwei Wochen nach der letzten Häutung werden sie geschlechtsreif.

Jagd

Meist machen es sich die Fangschrecken bei der Jagd leicht. Sie sitzen, häufig mit dem Kopf nach unten, bewegungslos auf einer Pflanze und warten darauf, dass sich ein unvorsichtiges Insekt nähert. Dann klappen sie blitzschnell die gefalteten Fangbeine aus und packen das Beutetier. Die Fangschrecken lähmen ihre Beute dann mit einem Genickbiss und fressen sie auf.

Manchmal schleichen sich Gottesanbeterinnen auch ganz langsam an ihre Beute heran. Dann gehen sie wie in Zeitlupe und nähern sich dem Beutetier mit winzigen Schritten. Seltener bewegen sich Gottesanbeterinnen schnell bei der Jagd. Doch sie können auch große Sprünge machen.

Haltung

Gottesanbeterinnen stehen unter Naturschutz, deshalb darfst du sie nicht in der Natur fangen. Auf Insekten- und Terrarienbörsen oder beim Zoohändler werden manchmal gezüchtete Tiere angeboten. Sie brauchen alle ein eigenes Terrarium oder Gefäß, da sich die Fangschrecken gegenseitig als Futter betrachten und fressen. Zur Haltung kannst du ein kleines Terrarium oder ein großes Glas nehmen. Einmachgläser mit einem Inhalt von 1,5 bis 2 Liter eignen sich ganz gut. Damit die Fangschrecke sich wohl fühlt, legst du am besten Zweige, Pflanzen oder Holzwolle in das Gefäß. Darauf kann die Gottesanbeterin herumkrabbeln.

Ernährung

Gottesanbeterinnen werden mit Fliegen, Heimchen, Motten oder Heuschrecken gefüttert. Das Futter kannst du dir im Sommer draußen selbst fangen. Im Winter musst du entsprechendes Futter in der Zoohandlung kaufen.

Pflegeplan

Gottesanbeterinnen müssen einmal am Tag mit Wasser besprüht werden. Das geht am besten mit einem Zerstäuber. Diese Behandlung ist nötig, damit die Tiere sich leichter häuten können. Wenn sie zu wenig Feuchtigkeit haben, kann es zu fehlerhaften Häutungen kommen. Danach können die Fangbeine so verformt sein, dass die Fangschrecke damit keine Beute fangen kann. Andere Fehlhäutungen führen zu verkrümmten Vorderleibern oder dazu, dass die Gottesanbeterin gar nicht ganz aus der alten Haut herauskommt.